Ev. Kirchengemeinde Ettingshausen
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Impulse

Die gute Nachricht vom Trotzdem So einen Christus sich vorzustellen … das ist  gar nicht so einfach. Was der alles kann. Heilen, auf  den rechten Weg bringen, mit Sanftmut und Barmherzigkeit die Welt regieren, ist „voll Rat, voll  Tat, voll Gnad“, wie es in dem bekannten Weihnachtslied „Mach hoch die Tür“ heißt. Einer, der alle  Not zu  Ende bringt, der nur „Freudensonn“ ist, wie es in dem Lied weiter heißt. Also einer, der  zugleich Arzt, Versorger, Tröster, Versteher, Therapeut, Lehrer, Anwalt und Recht - Schaffender  zugleich ist. Kein Leben reicht dafür, all das selber sein zu können. Un d doch sehnen wir uns ein Leben lang  nach solch einem Wesen und bedürfen dieser Fähigkeiten immer wieder in unserem Leben selbst.  Christus … er lässt uns bewusst werden, was wir alles oftmals nicht sind, was wir aber brauchen,  worauf wir alles angewiesen s ind und auch angewiesen bleiben  – ebenfalls ein Leben lang. So schwer vorstellbar so ein Christus ist, so noch schwerer ist es indes,  sich den Weg vorzustellen,  der gegangen werden musste, damit dieser Christus eben Christus werden konnte, damit aus Jesu s  eben dieser Christus werden konnte. Ein Weg voller Anfechtungen, Anfeindungen, Ablehnungen,  und zum Schluss sogar ein Weg voller Justizirrtümer, voller Boshaftigkeit, voller Verhöhnung,  voller Schmerz, Erschöpfung, Einsamkeit, Angst und Leid. Ein Weg nic ht nur in den Tod hinein,  sondern ein fürchterlich grausamer Weg in den Tod hinein.  Christus zu werden ist offenbar mehr, als nur die Summe aller lebensbejahenden und  lebensschützenden Berufsabschlüsse, Kompetenzen und Eigenschaften in sich zu vereinen.  In Jesu  Weg vereint sich offenbar auch alles, was Leben beschädigt, was Leben nicht mehr leben lassen  will, was Leben zerstören will. Eigentlich ebenso unvorstellbar, unbegreiflich  – selbst für Jesus:  „Warum, warum mein Gott hast Du mich verlassen?“, lässt ihn Markus am Ende seines Evangeliums  rufen.  Und doch geht diese Geschichte ganz anders aus. Mit seiner uns überlieferten Auferstehung von den  Toten wird Jesus zu eben jenem Christus  – ein für uns ein nicht minder unbegreifliches Geschehen,  fernab aller menschlichen Erfahrung. Und doch ein Geschehen, in das all unser Sehnen und Ahnen  geborgen ist, dass da noch mehr ist, als wir sehen, dass da noch mehr ist, als das, was wir meinen, Heiland ohne Stress Es duftet bereits überall … nach Zimt, nach Marzipan, nach Gebäck, nach Lebkuchen. Es ist längst  Weihnachtszeit, obwohl beim Schreiben dieser Zeilen selbst bis zum Begin n der Adventszeit, dem  Beginn des neuen Kirchenjahres, noch drei Wochen hin sind … geschweige denn bis Weihnachten  selbst. Bis dahin sind es noch gute sieben Wochen. Allerdings nicht in unseren Supermärkten, Parfumhandlungen und Spielzeugabteilungen. Hier weihnachtet es bereits spätestens seit dem 1. Oktober, wenn nicht sogar schon seit Mitte September.  Überall sind schon großformatige Adventskalender zu finden  – mit Pflegeserien, Naschereien oder  Legoteilen. Man möchte meinen, die Ankunft des Heilands …  sie kann für die Wirtschaft gar nicht schnell  genug gehen. Allen voran für die großen Giganten der Unterhaltungs - , Computer - und  Kommunikationsbranche. Der US - Weltmarktführer Apple zeigte sich bei seinem Quartalsabschluss  Ende Oktober 2019 bezüglich des an stehenden Weihnachtsgeschäftes besonders optimistisch,  meldete seinerzeit das „Manager - Magazin“.  Die Computer - Uhr Apple Watch oder die AirPods - Ohrhörer sind neben dem neuen iPhone offenbar  die großen Heilsbringer. Für das seinerzeit laufende Quartal prog nostizierte der Apple - Konzern laut  dem Magazin einen Umsatz - Zuwachs auf 85,5 bis 89,5 Milliarden Dollar (77 bis 80,6 Milliarden  Euro).  Allein: Für einen Analysten der Finanzfirma Bernstein ging die Umsatzprognose für das  Weihnachtsquartal indes nicht  weit genug. Da scheint also noch mehr drin zu sein. Da sage noch  einer, dass in einer säkularen Zeit Weihnachten keine Rolle mehr spiele. Wie ließe sich ohne den  Rhythmus des Kirchenjahres so viel Geld verdienen? Allein: Ob das auch alles wirklich so viel Heil bringt? Wie viele Menschen quälen sich mit all ihren  Geschenken durch die Republik, um dieses Fest im Kreis der Familie zu begehen  – ganz abgesehen  vom gigantischen Shopping - Stress, um erst einmal all die vielen Geschenke zu erwerben und schön  einzuw ickeln. Und dann noch all die vielen Falsch - Beschenkten und die vielen, vielen  Unbeschenkten … welch ein Stress für alle Beteiligten und Unerreichten. Geschenkte Wege Gottesdienstpläne, Haushalt, Konfirmation, Jubelkonfirmation, Hausbesuche, KV - Sitzungen,  Seniorennachmittage … seit dem 1. April bin ich hier bei Ihnen in Ettingshausen, Hattenrod und  Harbach. Eigentlich nur drei Monate. Doch mir kommt es vor, als sei es s chon eine ganze Ewigkeit,  als sei man schon immer hier gewesen.  Merkwürdig. Ewigkeit stellt man sich eigentlich als ganz, ganz lang vor. Aber sie scheint sich  offenbar auch ganz unbemerkt in ganz kurzen Zeiträumen auszubreiten, einzuschreiben. Ehe man  si ch versieht, ist man hineingestellt wie selbstverständlich in ganz viele Lebenswege, in die der  eigene nunmehr mit entlangläuft, als wenn er schon immer diese Wege mitgelaufen wäre.  Für mich sind Lebenswege immer auch Gotteswege … Wege, die man da auf ei nmal geht, ohne  dass man sie sich jemals vorgestellt hat, ohne dass man für sich geahnt hätte, einmal diese Wege zu  gehen. Das macht Gottes Wege ja auch so unergründlich. Freilich  – alles Empfindungen. Und jeder hat da ja auch seine eigenen Empfindungen.  Ich für  meinen Teil empfinde diese Wege indes als wunderbar, als großes Geschenk. Denn solch ein  Pfarramtsweg … den kann man nicht alleine gehen, der ist nur gemeinsam zu gehen. Und das darf  ich hier jeden Tag auf’s Neue erfahren. Nicht nur der Empfang zu  meiner Ordination war fulminant  und herzlich. Auch das Weitergehen mit Ihnen zusammen ist sehr herzlich. Und dafür bin ich sehr  dankbar. Umso mehr möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken für die vielen guten Wünsche, für  die vielen Geschenke u nd Aufmerksamkeiten, für die leckere Verköstigung, für die wunderbaren  musikalischen Beiträge und für die lieben Worte, mit denen ich während meiner ersten Gottesdienste  bei Ihnen in Hattenrod, Harbach und Ettingshausen, vor allem aber mit denen ich und me ine Familie  während meiner Ordination am Ostersonntag in Hattenrod empfangen wurden.  Ja, die Wege des Herrn mögen unergründlich sein. Gleichwohl können sie vielfach aber auch sehr,  sehr schön sein … geschenkte Wege halt, auf denen man gerne weitergeht, m itgeht und sich auch  begleiten lässt. Für all das herzlichen und lieben Dank.